Mit 17 Jahren hat Ayana ihre Heimat Eritrea verlassen und ist über Umwege in die Schweiz gekommen. Sie besuchte von Anfang an Deutschkurse und hatte vor, dereinst in der Pflege oder im Verkauf zu arbeiten. Dieses Vorhaben ist etwas anspruchsvoller geworden, seitdem vor dreieinhalb Jahren ihr Sohn Elyas zur Welt kam.
Elyas ist ein aufgewecktes Kind und schmunzelt seine Mitmenschen mit funkelnden Augen an. In der Entwicklung hinkt er etwas hinterher, weshalb er besondere Förderung braucht. Ayana erzählt: «Mir ist es wichtig, dass ich genug Zeit und Energie für meinen Sohn habe und ihn unterstützen kann. Er ist ein intelligentes Kind, braucht für gewisse Dinge einfach etwas mehr Zeit.» Im Haus für Mutter und Kind findet Ayana für den Moment die notwendigen Rahmenbedingungen, sodass sie ihrem Sohn das geben kann, was er braucht. Und Elyas profitiert vom hausinternen Angebot sowie der pädagogischen Sonderförderung.
«Mit Familie wäre es schon einfacher»
Wie vielen anderen Klientinnen im Haus für Mutter und Kind fehlt Ayana ein intaktes soziales Netzwerk, das sie als alleinerziehende Mutter unterstützt. Neun Jahre ist es her, seit sie ihre eigene Mutter zum letzten Mal gesehen hat. Sie lebt noch in Eritrea, kann nicht in die Schweiz reisen und Ayana nicht in ihr Heimatland: «Wir telefonieren viel und sie sieht Elyas über das Smartphone. Sie weiss, dass ich Unterstützung bräuchte, kann mir aber nicht helfen. Mit Familie wäre schon alles einfacher», erzählt Ayana bedrückt. Ihr Vater ist in die Türkei ausgewandert, weitere Verwandte leben in Frankreich sowie in Deutschland. Seit Ayana ihre Heimat verliess, ist sie auf sich allein gestellt.
In solchen Fällen kann das Haus für Mutter und Kind das fehlende Netzwerk teilweise ersetzen, zumindest in organisatorischer und pädagogischer Hinsicht. Zudem arbeiten die Klientinnen während des ganzen Aufenthaltes mit ihren Bezugspersonen darauf hin, sich in Zukunft ein solches Netzwerk selbst aufzubauen und möglichst auf eigenen Füssen zu stehen.
«Elyas liebt seinen Vater»
Die Beziehung zwischen Ayana und dem Kindsvater ging zwar in die Brüche, dennoch ist er Teil von Elyas Leben. Er besucht seinen Sohn meistens am Sonntag im Haus für Mutter und Kind, unternimmt Ausflüge mit ihm und nimmt am Alltag im Haus für Mutter und Kind teil. Ayana meint: «Für unsere Kultur ist es nicht gerade typisch, dass sich der Vater einbringt. Umso mehr schätz e ich es, wenn er vorbeikommt und die beiden Sachen unternehmen, für die mir die Zeit und Energie fehlen. Während er da ist, kann ich einmal Pause machen und wieder Energie tanken. Und Elyas sagt, er liebt seinen Papa. Deshalb ist es mir wichtig, dass sie sich sehen können.»
Die Verantwortung liegt aber bei ihr. Ihre Zukunft plant sie für sich und Elyas zu zweit: «Er ist ein guter und gescheiter Junge. Wir werden das Leben zusammen meistern, wir sind ein starkes Team.»
*Namen geändert